Neue Bauernregeln und alte Fronten

Das Bundesumweltministerium startete neulich eine Kampagne mit neuen Bauernregeln – u.a. „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.“ oder „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“

Ministerin Barbara Hendricks betont dabei (Rede als Text), wie wichtig die breite Diskussion über eine soziale und ökologische Landwirtschaft ist:

Es ist erschreckend, wie Hendricks seitdem angegangen wurde. Die Verfechter der chemisch-synthetischen Landwirtschaft sehen rot. Ganz vorne dran der Bauernverband („Schließt der Bauer Hof und Stall, brachten Umweltauflagen ihn zu Fall.“) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt: „Eine steuerfinanzierte Kampagne, die die Diffamierung eines gesamten Berufsstandes mindestens in Kauf nimmt, gehört meiner Ansicht nach nicht in den Instrumentenkasten guter Regierungskommunikation. Ich fordere Sie auf, die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen.“ – hier die Antwort von Hendricks.

In den sozialen Medien haben sich die Trolle der Agrarlobby in Stellung gebracht. Und wir Naivlinge hatten schon fast geglaubt, es gäbe ein Umdenken hin zu zukunftsfähiger Landwirtschaft. Aber eines muss man der Bundesumweltministerin lassen: Die Diskussion ist in Gang gekommen.

Doku „Projekt A“ jetzt als DVD erhältlich

Wer die (preisgekrönte) Doku Projekt A letztes Jahr im Kino verpasst hat, kann sich jetzt die DVD mit super Bonusmaterial bestellen. Die Filmemacher begleiten Menschen im anarchistisch geprägten Stadtviertel Exarchia in Athen, bei Anti-Atomkraft-Aktionen in Deutschland, bei der weltweit größten anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft in Spanien, bei einer katalanischen Kooperative und einer genossenschaftlich organisierten solidarischen Landwirtschaft in München.

Der Film startete im Februar 2016 in den deutschen Kinos und wurde bisher von knapp 25.000 Zuschauern besucht. Ein toller Erfolg für die unabhängige Low-Budget Produktion. Den beiden Regisseuren war es wichtig, inhaltlich Relevantes qualitativ hochwertig zusammenzustellen und bei der Produktion der DVD auch ökologische Aspekte zu beachten. Viele Themen konnten im Film nur angerissen werden und so liegt der DVD ein 40-seitiges Booklet bei. Neben Texten zum Entstehungsprozess des Film und dem von Horst Stowasser initiierten Projekt A gibt es jeweils ein Kapitel zu den im Film vorgestellten Projekten. Aus den unzähligen Publikumsgesprächen auf der Film-Tour wurden die wichtigsten Fragen zusammengetragen und beantwortet. Des Weiteren gibt es auf der DVD 85 Minuten Bonusmaterial, bestehend aus weiteren Interviews mit den Protagonisten, Musik und zusätzlichen Szenen.

> Hier kann die DVD bestellt werden.

Was wir haben und was wir daraus machen

Was wir haben: die Erfahrungen aus zwei Weltkriegen
Was wir daraus machen: Waffenexporte

Was wir haben: das höchste Bildungslevel der Menschheitsgeschichte
Was wir daraus machen: täglich stundenlang Privatfernsehen glotzen

Was wir haben: das leistungsfähigste medizinische System
Was wir daraus machen: Brustvergrößerungen

Was wir haben: Verantwortung aus der NS-Zeit
Was wir daraus machen: die AfD

Was wir haben: eine Weltgemeinschaft der Vereinten Nationen
Was wir daraus machen: einen Debattierclub

Was wir haben: Kenntnisse über den Ursprung des Lebens
Was wir daraus machen: geklonte Organismen

Was wir haben: Kenntnisse über das Wesen von Materie
Was wir daraus machen: Atombomben

Was wir haben: Menschenrechte & Konventionen
Was wir daraus machen: Forderungen nach Obergrenzen

Was wir haben: 200 Jahre Aufklärung
Was wir daraus machen: Kapitalismus und Ausbeutung

Lasst uns das ändern.

Forderung nach UN-Dringlichkeitssitzung

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An Herrn Frank-Walter Steinmeier, an Sie als Außenminister: Wir fordern Sie hiermit auf, umgehend eine Dringlichkeitssitzung der UN‐Vollversammlung auf Grundlage der Resolution 377 (V) „Vereint für den Frieden“ zu beantragen. #UNemergency4syria

In Resolution 377 (V) der Generalversammlung vom 3. November 1950 heißt es: „trifft hiermit den Beschluss, dass in allen Fällen, in denen eine Bedrohung oder ein Bruch des Friedens oder eine Angriffshandlung vorzuliegen scheint und in denen der Sicherheitsrat mangels Einstimmigkeit der ständigen Mitglieder seine Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit nicht wahrnimmt, die Frage unverzüglich von der Generalversammlung behandelt wird, mit dem Ziel, den Mitgliedern geeignete Empfehlungen für Kollektivmaßnahmen zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit zu geben, die im Falle eines Friedensbruchs oder einer Angriffshandlung erforderlichenfalls auch den Einsatz von Waffengewalt einschließen können.“

Nach der Sondersitzung des Sicherheitsrates am 13. Dezember 2016 zur Lage in Syrien und Aleppo ist erneut deutlich geworden, dass der Sicherheitsrat seiner Hauptaufgabe, der Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, im Fall Syriens nicht nachkommt. Dies beruht auf den ausgeübten Veto‐Rechten ständiger Mitglieder des Sicherheitsrates. Aufgrund dieser Blockade im Sicherheitsrat kann und muss die Lage in Syrien zum Thema der Vollversammlung gemacht werden. Es kann aber nicht bis zur nächsten regulären Vollversammlung im September 2017 abgewartet werden.
Dieser Weg ist rechtlich möglich und wurde in der Vergangenheit auch beschritten. Wir wissen, dass die Bundesrepublik Deutschland im Falle Syriens nicht alle Möglichkeiten ausschöpft, die ihr zur Verfügung stehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einer Erklärung am Rande des EU‐Gipfels am 15.12.2016 von „Kriegsverbrechen“ in Syrien und einem „Versagen des Sicherheitsrates“ gesprochen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki‐moon, sagte in einer Pressekonferenz am 16.12.2016, dass Aleppo ein „Synonym für die Hölle“ sei und wir alle kollektiv die Menschen in Syrien im Stich gelassen haben.

Damit muss Schluss sein. Es ist Zeit, den Erklärungen Taten folgen zu lassen. Die Menschen in Syrien brauchen jetzt Hilfe.

Wir brauchen eine UN Friedensmission für Syrien. Wir brauchen umgehend die Einstellung aller Kriegshandlungen sowie den umfassenden Schutz der Zivilbevölkerung. Selbst wenn Aleppo in den nächsten Tagen vollständig evakuiert würde, deutet sich an, dass sich die Kampfhandlungen nur weiter verlagern, aber der Krieg in Syrien nicht beendet würde.

Wir fordern Sie deshalb auf, umgehend eine Dringlichkeitssitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu beantragen: hier unterzeichnen!

Horst und Donald

Horst Seehofer sagte: „Mir gefällt, dass er die Menschen direkt anspricht und ihre Lebensrealität berücksichtigt. Nicht abstrakt, nicht verschwurbelt, sondern mit konkreten Antworten. Das finde ich gut.“

Nachdem Donald Trump folgendes sagte

… über Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur: „Wenn Hillary Clinton nicht einmal ihren Ehemann befriedigen kann, was lässt sie glauben, sie könnte Amerika befriedigen?“

… über sein Aussehen: „Meine Finger sind lang und schön, wie, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers.“

… über Angela Merkels Wahl zur „Person des Jahres“ im „Time“-Magazin: „Damit ist jene Person gewählt worden, die Deutschland ruiniert.“

… über Frauen (In einem 2005 aufgenommenen Video mit TV-Moderator Billy Bush): „Und wenn Du ein Star bist, lassen sie dich alles machen. Du kannst sie überall anfassen, an der Muschi, überall.“

… über Clintons Email-Affäre: „Ich sage Ihnen eins: Hillary Clinton muss in den Knast. Ehrlich, Leute – sie ist sowas von schuldig.“

… über US-Präsident Barack Obama: „Der IS verehrt Präsident Obama. Er ist der Gründer des IS. (…) Und ich würde sagen, die Co-Gründerin ist die korrupte Hillary Clinton.“

… über die Foltermethoden des IS: „Waterboarding ist Peanuts verglichen mit dem, was sie mit uns machen. Da drüben machen sie kein Waterboarding, da hacken sie Menschen den Kopf ab.“

… über ethnische Minderheiten: „Faulheit ist eine Eigenschaft der Schwarzen. …Schwarze, die mein Geld zählen! Ich hasse es.“

… über Waffen und Militär: „Ich werde unser Militär so groß, so mächtig und so stark machen, dass sich niemand mit uns anlegt.“ sowie „Wir werden unseren zweiten Verfassungszusatz schützen. Wenn ich Präsident werde, könnt ihr auf mich zählen. Ich lasse nicht zu, dass man uns unsere Waffen wegnimmt!“

… über seinen Kampf gegen den Terrorismus: „Der IS verdient sein Geld mit Öl. Ich werde allen Mist aus ihnen herausbomben, Pipelines und Raffinerien in die Luft jagen.“

… über seine Beliebtheit: „Ich könnte mitten auf der 5th Avenue stehen und auf jemanden schießen, und ich würde trotzdem keine Wähler verlieren.“

… über die Umwelt: „Bio ist für mich Abfall!“

… über Terroristen: „Die andere Sache mit den Terroristen ist die, dass man ihre Familien ausschalten muss, wenn man sie zu fassen bekommt.“

Glückwunsch an Flüchtlinge willkommen

Heute wird das Projekt Flüchtlinge Willkommen zwei Jahre alt.

Seit der Gründung bringt die Organisation geflüchtete Menschen und „Locals“ in Wohngemeinschaften zusammen und kritisieren damit aktiv die Unterbringung von Geflüchteten in Massenunterkünften. Bis heute sind alle Aktivitäten fast ausschließlich spendenfinanziert und ohne Unterstützung – ob finanziell oder ideell – könnten das tolle Team lange nicht so viel leisten. Darum an dieser Stelle der Aufruf, die laufende Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen: Alle Spenden und Einnahmen fließen direkt in die Fortführung der wichtigen Arbeit. Hier ist der Link: http://startnext.com/eingefuehlvonzuhause

Danke Euch allen und ein schönes Wochenende! 

Die Welt reparieren

Es ist nicht mehr zu übersehen, die Welt ist aus den Fugen geraten, und das nicht erst seit AfD, Brexit oder der US-Wahl. Welche Antworten braucht es neben hör- und sichtbarem politischem Engagement jeder/-s Einzelnen? Beachtenswerte Ansätze, den vielschichtigen Gegenwarts- und Zukunftsfragen zu begegnen, analysiert die anstiftung in ihrem jetzt erhältlichen, wirklich wundervollem Buch:

Die Welt reparieren – Open Source und Selbermachen als
postkapitalistische Praxis
(Hg. von Andrea Baier, Tom Hansing, Christa Müller und Karin Werner)

Denn längst experimentieren neue Akteure mit kleinteiligen Lösungen für die Nahrungsmittel- und Energieproduktion, aber auch für Design und eine für alle zugängliche Technik. Jenseits von Markt und Staat entstehen Formen des kollaborativen Produzierens, Reparierens und Teilens, die den industriellen Kapitalismus herausfordern und überschreiten. Das Buch widmet sich dieser vielversprechenden Praxis und bietet zugleich eine gesellschaftliche Einordnung der neuen »Labore« postkapitalistischen Fabrizierens.

Ein Buch – zwei Varianten
Das inhaltlich an die vergriffene „Stadt der Commonisten“ anschließende Werk ist in zwei Varianten erhältlich. Einmal als klassisches Buch mit händisch und in Sonderfarbe siebbedrucktem Textileinband über den Buchhandel – und als kostenloses Open-Access-PDF zum Download.

Mehr unter www.die-welt-reparieren.de

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Preis: 19,99 Euro, 11/2016, 352 Seiten, kart., zahlr. farb. Abb.
transcript Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-8376-3377-1

Ich muss das jetzt sagen …

… sonst platze ich:

An einem Tag, an dem die elitäre Berufspolitikerkaste einen Einlauf bis zu den Mandeln bekommen hat, an einem Tag, an dem – mit Bernie Sanders – ein linker Alt-Hippie (vermutlich) mehr Stimmen bekommen hätte, als die oligopol-abhängige Hillary Clinton, an diesem Tag blockiert der im Industrialismus stehengebliebene Wirtschaftslobbyist Sigmar Gabriel die sowieso schon unterdimensionierten Klimaschutzpläne, wodurch er einen ökosozialen Wandel in eine postkapitalistische Gesellschaft torpediert und den nächsten Generationen die Lebensgrundlage noch weiter entzieht.

Aber hinterher wundern wir uns wieder, wie es mit dem Planeten und der vermeintlichen Zivilisation nur soweit kommen konnte.